Wenn des so ein Trottel wird wia du,
kannst da glei de Kugel gebn.


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Ernst Hinterberger über das ende vom Mundl
02.12.2008, 02:53
Beitrag #1
Ernst Hinterberger über das ende vom Mundl
Hallo, liebe Mundl Fans

Hier ein Auszug aus einem Interview mit Ernst Hinterberger im September 1998:


Die erste Folge vom Mundl ist noch ganz anders als alle weiteren danach. Die Haltung der Figur ist in der ersten Folge noch so wie in "Das Salz der Erde".

Die vom Fernsehen haben damals nach der ersten Folge gemeint, daß der "Mundl" eine völlig erfolglose Figur sei. Jetzt haben wir uns geeinigt, ich kann die Figuren beibehalten, aber ich muß von der Romanhandlung weggehen. Im Roman fährt der Mundl zum Beispiel nach Jesolo, das war für die zweite Folge vorgesehen, da haben sie gesagt: nach Jesolo können wir nicht fahren, das kostet ein Vermögen, so ist er dann zum Ziegelteich gefahren.

Mir war der Mundl eigentlich zu laut. Der Wiener ist nicht so. Erstens einmal trifft Sie ja irgendwann der Schlag, wenn sie sich ununterbrochen wahnsinnig aufregen. Dann ist der Wiener selbstgefällig und tut weniger schimpfen als Diagnosen stellen. Einer mit einer "WU-Nummer" ist ein Furchenträger, und die Gschicht ist erledigt. Und wenn mir der übern Kühler fährt, sag ich: "Gscherda, bleib daham!" und nicht "Du bist a Trottel!" Das hat aber der Merkatz die ganze Zeit geschrien. Das ist leider bei den Leuten angekommen und so ist dann der "Mundl" geblieben.

Im Prinzip ist es am Merkatz zerbrochen. Der ist ja über Nacht zum Star geworden und wollte dann Einfluß auf die Bücher nehmen. Das wäre darauf hinausgelaufen, daß man pro Folge niemand anderen außer den Merkatz sieht. Alle anderen waren ihm dann schon zuwider. Er hat ja gespürt, daß andere auch gut ankommen: die Schmidinger und der Kaufmann und so, ... dann haben wir eben aufgehört.



Wie war das Verhältnis zum Regisseur und zu den Schauspielern? Wie hat sich das im Laufe der Arbeit entwickelt, wie diese dann erfolgreicher geworden sind?

Der Merkatz war ja in Österreich unbekannt und wie bekannt er in Deutschland war, weiß ich nicht. Aber eher nicht. Und für den Schwabenitzky war es die erste Hauptregie, er war ja immer nur Regieassistent. Zum Beispiel beim Corti, wo sie so Ganghofer-Geschichten gemacht haben.1 Da war der Merkatz der dritte Knecht oder so in der Art, und so hat er ihn gekannt und mitgenommen. Es sind eigentlich alle normal geblieben, nur der Karl ist aufgestiegen. Und dann der Schwabenitzky auch. Der hat die "Goldene Kamera" bekommen und hat nach der zwölften Folge gesagt: ich geh jetzt nach Deutschland, weil dort verdiene ich doppelt so viel. Grüß Gott. Also haben wir dann für zwei Folgen den Jusits gehabt, und das war dann so: Der hat gesagt "Bitte, los!" und der Merkatz hat gesagt, "Los geht’s, wenn ich es sage!" Der Jusits wollte den "Mundl" dann noch umdrehen. Da gab es so tragische Momente, Mondscheinsonate haben s’ gespielt, und der Vorhang hat geweht im Nachtwind, das war dann aber eigentlich nicht mehr der Mundl...



Haben Sie nicht drauf Einfluß nehmen können, daß der Mundl leiser wird?


Nein. Da haben s’ gesagt, das muß so sein. Ich war ja auch fast nie bei Dreharbeiten. Einmal war ich dort, da haben sie eine Szene aus dem Drehbuch gespielt, die war dann nie im Film drinnen. Die haben sie nur gespielt, weil sie gesagt haben: der Hinterberger ist da, drehen wir das runter. Beim Reinhard Schwabenitzky ist es so, daß er sehr gern Drehbuchänderungen macht. Ich bin dann draufgekommen, daß man gleich am Anfang klarstellen muß, wer was macht. Also ich schreib das Buch und du führst Regie. Und wenn wir miteinander über das Buch reden, kommst du dafür nicht auf die Titel. Jeder macht seins. Ich hab das Buch abgegeben und der Reinhard hat gesagt: "Das ist super, da braucht man kein Wort zu ändern." Nur hat er dann doch verändert, und dann ist gestanden "Fernsehbearbeitung von Reinhard Schwabenitzky". Dadurch hab ich natürlich weniger Geld gekriegt.



Wie war für Sie die Situation, als der "Mundl" zu Ende war?

Da war überhaupt Pause. Es hat halt jeder am Küniglberg den "Mundl" erfunden, in Wirklichkeit hatte ihn niemand gewollt. Der ist nur gelaufen, weil ihn die Intendanten Oberhammer und Kreuzer wollten. Wie dann die beiden weg waren, war ich auch weg. Wenn ich mit Ideen gekommen bin, haben Sie gesagt, geh zu deine Hawara, und erzähl ihnen das. Die waren aber nicht mehr da, also hab ich Pech gehabt. Der Podgorski wollte zwar eine "Mundl"-Fortsetzung machen und hat wahrscheinlich in Salzburg zum Merkatz gesagt, "Karl, wir tun weiter!". Der wird gesagt haben, "Nein, ich will nicht mehr!", und der Podgorski hat wahrscheinlich gesagt "Ich sag, wir machen das!". Jedenfalls habe ich einen Drehbuchauftrag bekommen und hatte drei Bücher schon fertig. Dann gab es eine Besprechung. Da hat der Merkatz gesagt, er will nicht mehr, er hätte das eh schon deponiert. Dann war das natürlich gestorben.
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03.12.2008, 22:03
Beitrag #2
RE: Ernst Hinterberger über das ende vom Mundl
Danke für die Infos zum Mundl und den Hintergründen. Ich freu' mich sehr darüber.

Traurig, dass Karl Merkatz sein Erfolg kurzfristig zu Kopf gestiegen ist und so die Serie beendet hat werden müssen. Sad

Dolores Schmidinger und Götz Kauffmann sind ja bald im "Kaisermühlen Blues" - auch mit/von Ernst Hinterberger - bekannt geworden.

Ob's auch dazu ein Interview mit ihm gibt ?

"Wachorgan Kurt Blahovec nebst Gattin und Marschverpflegung zum Besuch angetreten." ("Kurti Blahovec")

"Mei Bier is ned deppat." ("Mundl")

"Da kommt aber Freude auf." ("Frau Koziber")

"Ich hätte in Hietzing bleiben sollen." ("Frau Kaiser")
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13.12.2008, 23:33
Beitrag #3
RE: Ernst Hinterberger über das ende vom Mundl
(03.12.2008 22:03)Andrea1984 schrieb:  Danke für die Infos zum Mundl und den Hintergründen. Ich freu' mich sehr
darüber.

Traurig, dass Karl Merkatz sein Erfolg kurzfristig zu Kopf gestiegen ist
und so die Serie beendet hat werden müssen. Sad

Hallo Andrea!

Habe ein Interview von Karl Merkatz bezüglich der "Sackbauer Saga" im NEWS (Nr.49- 4.Dezember 2008)
gefundn, worin er zwar nicht über das Ende der alten Serie erzählt, jedoch Fragen zum Thema "Vergleich mit der Politik Kreiskys in den 70ern und heute" beantowrtet, oder über die Ausländerfrage, die Rechten, über den Wiener Dialekt,...spricht.
Dieses "Intervuu" wie Mundl in der Folge einst sagte, ist meines Erachtens sehr interessant Wink

lg klemens

Zitat:Dolores Schmidinger und Götz Kauffmann sind ja bald im "Kaisermühlen
Blues" - auch mit/von Ernst Hinterberger - bekannt geworden.

Ob's auch dazu ein Interview mit ihm gibt ?

"Waun des so a Trottl wird wie du kaunst da glei die Kugl gebn!!!"
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